• Nie wieder: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Licht ins Dunkel bringen – die Schicksale jüdischer Richter am Arbeitsgericht anno 1933

Veröffentlicht von Anastasia Poscharsky-Ziegler 18. Juni 2021

Mit Beteiligung unserer Abteilung fand am 17. Juni 2021 in der Villa Lützow eine
Podiumsdiskussion (mit Live-Stream) zum Thema „Jüdische Richter an den Berliner Arbeitsgerichten, ihre Bedeutung für das deutsche Arbeits- und Sozialrecht und ihre Verfolgung durch die Nazis“ statt.

Die Veranstaltung fand in präsenter Form im Saal der Villa Lützow statt und wurde darüber hinaus gestreamt. (Foto: Yusupov)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der ehemalige Präsident des Arbeitsgerichts Berlin, Reinhold Gerken, erinnerte in seinem erschütternden Vortrag an die Vorgänge am Berliner Arbeitsgericht im Frühjahr 1933 die zur Entlassung von 14 jüdischen Berufsrichtern führten. Gerken hat sich jahrzehntelang persönlich mit den Schicksalen der exmittieren Richter und ihrer Familien befasst. Für diejenigen, die in Konzentrationslagern ums Leben gebracht wurden, sind Stolpersteine gesetzt worden.

Für alle 14 Richter wurde auf Betreiben von Gerken im November 2012 in der Eingangshalle des Arbeitsgerichts am Magdeburger Platz eine Gedenktafel mit allen Namen angebracht.

Gerken schilderte in erschütternder Weise, wie effektiv und rasch die betroffenen Richter als „jüdisch“ definiert wurden, wohl aufgrund von jahrelangen Vorbereitungen und Ermittlungen. Ihre Entlassungen waren durch die Rechtslage im Frühjahr 1933 keineswegs gedeckt, doch niemand widersetzte sich. Niemand erhob damals Einspruch.

Am Podium saßen Reinhold Gerken (links) und Dr. Wörmann. (Foto: Yusupov)

Gabriele Hulitschke von der „Quartiersentwicklung Tiergarten Süd – Seniorenfreundlicher Stadtteil“ moderierte den Abend des Projektes „Jüdisches Leben und Widerstand in Tiergarten Süd das auch von der Kiezzeitung mitteNdran e.V. und Stolpersteine Berlin Alte-Mitte und Wedding unterstützt wird.

Am Podium saß mit dem Referenten der Historiker Dr. Heinrich-Wilhelm Wörmann, Leiter der Historischen Kommission der SPD, der die deutsche Erinnerungskultur seit den 70-er Jahren vorbildlich nannte. Aber bis 1968 war eisern geschwiegen worden – nicht nur (wie naheliegend) von den Tätern, sondern auch von den Opfern.

Rund 16 Zuhörer*innen nahmen an der Veranstaltung präsent oder online teil. Die lebhafte Diskussion lenkte das Interesse am Ende auf unsere heutigen jüdischen Mitbürger aus der ehemaligen Sowjetunion, die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit verdienen.

Zum Thema erschien 2013 dieses Buch, das alle neuen Arbeitsrichter bei ihrem Beginn in Berlin überreicht bekommen.

Schlagwörter:  Arbeitsgericht Berlin Jüdisches Leben und Widerstand in Tiergarten Süd Reinhold Gerken